Fachgruppe Ortung (FGr O Typ A)

Taktisches Zeichen Fachgruppe Ortung (Typ A)

Die Suche nach verschütteten oder vermissten Personen ist ein Wettlauf mit der Zeit: Je schneller eine gesuchte Person geortet wird, also der Ort bestimmt werden kann, an dem sie sich befindet, desto schneller kann sie gerettet werden – und desto größer ist schließlich auch ihre Überlebenschance. Das THW hält daher im ganzen Bundesgebiet flächendeckend spezielle Ortungsgruppen bereit.

Jenseits grundlegender Ortungsmethoden, die auch zur Ausbildung der THW-Bergungsgruppen gehören (insb. gezieltes Horchen, Rufen und Klopfen), deckt die Fachgruppe Ortung hierbei eine Reihe vertiefender und weiterführender Ortungstechniken und -möglichkeiten ab: Neben der technischen Ortung mit Hilfe spezieller Horchgeräte, Minikameras usw. spielt hierbei auch der Einsatz von speziell geschulten Rettungshundeteams (biologischen Ortung) eine wichtige Rolle.

 

Bundesweit verfügt das THW derzeit über ca. 70 Fachgruppen Ortung mit technischem Ortungsgerät. Rund die Hälfte dieser Ortungsgruppen verfügen zusätzlich über die biologische Ortungskomponente in Form von Rettungshundeteams (Typ A).

Die Ausbildung erfolgt in drei Stufen: An die (1) Grundausbildung schließt sich zunächst eine (2) Fachausbildung innerhalb der Ortungsgruppe an. Hiernach folgt die (3) Rettungshundeführerausbildung bzw. die Ausbildung zum Bediener technischen Ortungsgeräts (Bed TOg).

Die Tübinger Fachgruppe Ortung

Die Tübinger Fachgruppe Ortung besteht in ihren Grundzügen seit 1995. Als Ortungsgruppe vom Typ A kombiniert sie Rettungshundeteams mit technischem Ortungsgerät, um in jeder Situation eine optimale Vorgehensweise zum Aufspüren verschütteter oder vermisster Personen gewährleisten zu können. In Kombination mit den Tübinger Bergungsgruppen haben sich unsere Ortungsspezialisten zu einer angesehenen Ortungs-Bergungskomponente entwickelt und sich seit nunmehr über 20 Jahren in zahlreichen Einsätzen bewährt.

Weitere Informationen zu unseren Rettungshundeteams sowie Aspekten der technischen und biologischen Ortung finden Sie hier:

Gini Weiffenbach mit Al

Gini Weiffenbach mit Al

Qualifikation Helferin:

Grundausbildung, Fachausbildung Ortung, Sanitätshelferin

weitere Funktionen:

Gruppenführerin Ortung, Kraftfahrerin, Ausbilderin biologische Ortung

Status Hund:

Einsatzbereit in Trümmern und Fläche

Hunderasse:

Australian Shepherd

Gini Weiffenbach mit Harry

Gini Weiffenbach mit Harry

Qualifikation Helferin:

Grundausbildung, Fachausbildung Ortung, Sanitätshelferin

weitere Funktionen:

Gruppenführerin Ortung, Kraftfahrerin, Ausbilderin biologische Ortung

Status Hund:

Eignungstest, Vorprüfung

Hunderasse:

Hovawart

Thilo Hämmerle mit Pearl

Thilo Hämmerle mit Pearl

Qualifikation Helfer:

Grundausbildung, Fachausbildung Ortung, Unterführer, Ausbilder biologische Ortung, Prüfer Rettungshunde, Sprechfunker

weitere Funktionen:

Technische Unterstützung Ortungsgruppe; Baufachberater, Leiter ESS Trupp

Status Hund:

Einsatzbereit in Trümmern und Fläche

Hunderasse:

Border Collie

Tobias Winter mit Puck

Tobias Winter mit Puck

Qualifikation Helfer:

Grundausbildung

weitere Funktionen:

Truppführer Ortung, Kraftfahrer

Status Hund:

Eignungstest

Hunderasse:

Labrador Retriever

Jacqueline Reiber mit Hero

Jacqueline Reiber mit Hero

Qualifikation Helferin:

Grundausbildung, Fachausbildung Ortung, Sanitätshelferin

weitere Funktionen:

Kraftfahrerin

Status Hund:

Einsatzbereit in Trümmern

Hunderasse:

Border Collie

Julia Renner mit Aika

Julia Renner mit Aika

Qualifikation Helferin:

Grundausbildung, Fachausbildung Ortung

weitere Funktionen:

Kraftfahrerin

Status Hund:

Einsatzbereit in Trümmern

Hunderasse:

Labrador, Schäferhund, Wolfsspitz Mischling

Silke Raidt-Schäfer mit Jackie

Silke Raidt-Schäfer mit Jackie

Qualifikation Helferin:

Grundausbildung

weitere Funktionen:

Kraftfahrerin

Status Hund:

Eignungstest, Vorprüfung

Hunderasse:

Australian Shepherd

Ann-Sophie Dreher mit Arco

Ann-Sophie Dreher mit Arco

Qualifikation Helferin:

Grundausbildung

Status Hund:

Eignungstest, Vorprüfung

Hunderasse:

Hütehundmischling

Niels Bingmann mit Quincy

Niels Bingmann mit Quincy

Qualifikation Helfer:

Grundausbildung

Status Hund:

Eignungstest

Hunderasse:

Border Terrier

Jana Schmid mit Bounty

Jana Schmid mit Bounty

Qualifikation Helferin:

Helferanwärterin

Status Hund:

Eignungstest

Hunderasse:

Großpudel

Die biologische Ortung mit Rettungshunden ist die erste Option der Ortung. Der Einsatz von Rettungshunden erleichtert und beschleunigt die Suche ganz erheblich, denn Hunde

  • sind unter fast allen Bedingungen und ohne lange Vorbereitung einsetzbar
  • wittern Menschen mit ihrer feinen Nase noch unter meterdicken Trümmern oder auf große Entfernung, auch in unübersichtlichem Gelände und im Dunkeln
  • finden deshalb auch Opfer, die sich nicht durch Klopfen oder Rufen bemerkbar machen können
  • verteilen ihr Gewicht auf vier Pfoten und können daher auch in einsturzgefährdeten Trümmern suchen, die für Menschen unzugänglich oder zu gefährlich zum Betreten sind.

Der Erfolg bei der Rettungshundearbeit stellt nicht nur hohe Anforderungen an die Ausdauer und Zuverlässigkeit der Hunde, sondern auch an die Sachkenntnis der Helfer und die eingespielte Zusammenarbeit von Mensch und Hund im Team: Ein individuell auf jeden Hund abgestimmtes Motivationstraining geht stets mit der gründlichen Ausbildung der Helfer Hand in Hand.

Flächen- und Trümmersuche

In den für das THW besonders relevanten Einsatzszenarien werden insb. Flächensuche und Trümmersuche unterschieden: Die Flächensuche bezieht sich auf Einsatzszenarien, in denen Personen etwa in einem Waldstück vermisst werden. Die Trümmersuche betrifft die Verschüttetensuche nach Erdbeben, Explosionen oder anderen Ereignissen, in deren Folge Menschen unter eingestürzten Gebäudeteilen oder anderen Trümmern vermisst werden. Wenn Rettungshunde eine verschüttete Person aufgespürt haben, können die Rettungskräfte die Suche mit technischen Ortungsgeräten verfeinern und die genaue Position bestimmen. Auf diese Weise wird eine möglichst schnelle und gezielte Rettung möglich.

Ausbildungsinhalte

Neben der Ausbildung in grundlegenden Bereichen wie Einsatztaktik, Karten- und Kompasskunde, Sprechfunkverkehr, Trümmerkunde, Statik, Bergung und Sicherheit im Einsatz spielt für jeden Rettungshundeführer eine Reihe von spezialisierten Ausbildungsinhalten in Zusammenarbeit mit den Vierbeinern eine wichtige Rolle: Ein Rettungshund muss über große Ausdauer und Disziplin verfügen – und in der Lage sein, die menschliche Witterung auch aus einer Vielzahl anderer Gerüche zuverlässig herauszufiltern. Nur so kann er Opfer auffinden, die möglicherweise unter meterdicken Trümmerschichten begraben sind. Hinzu kommt die Fähigkeit zur Suche auch in unwegsamem Gelände, engen Schächten oder auch großen Waldflächen.

Die Hundeführer trainieren daher mit ihren Rettungshunden regelmäßig in den praktischen Ausbildungsbereichen der Geländegängigkeit (Begehen von glatten und beweglichen Untergründen), der Gerätearbeit (waagerechtes und schräges Begehen von Leitern, Durchkriechen von Röhren, Überqueren von Wippen), des Gehorsams (Fußgehen, Sitz, Platz, Steh, Tragen des Hundes) und der Anzeige durch Verbellen.

Derzeit verfügt jede Fachgruppe Ortung des THW über ein elektronisches Ortungsgerät (Horchgerät). In einzelnen Ortsverbänden sind darüber hinaus auch Minikameras (Videoendoskope) sowie weitere Ortungstechnik vorhanden. Während mit den Horchgeräten z.B. ein ganzer Trümmerkegel abgesucht werden kann, dienen Minikameras insb. zur genaueren Positionsbestimmung von verschütteten Personen – etwa, wenn deren genaue Lage in einem Hohlraum als Vorbereitung für weitere Rettungsmaßnahmen festgestellt muss.

Je nach Größe der Schadenstelle und konkreter Situation können technische Ortungsmethoden parallel oder ergänzend zur biologischen Ortung eingesetzt werden. So ist es etwa möglich, die Suche durch den zusätzlichen Einsatz von technischem Ortungsgerät zu beschleunigen oder die Anzeigen von Rettungshunden zu bestätigen und weiter zu konkretisieren.

Akustische Ortung mit Horchgeräten

Die Sensoren der Hochgeräte funktionieren wie ein Seismograph in der Erdbebenwarte: Sie nehmen feinste, durch Trümmerteile transportierte Schallwellen auf und wandeln diesen in ein elektrisches Signal um. Dieses Signal wird dann über ein Kabel zu einem Verstärker geleitet, der die Messungen bis zu einem Faktor von 1.000.000 verstärken kann und somit hörbar macht.

Bei der Arbeit mit diesen Horchgeräten wird die abzusuchende Schadenstelle je nach Größe in mehrere Abschnitte unterteilt. Dort werden dann nacheinander Sensoren ausgelegt, mit denen die Helfer in die Trümmer „hineinhorchen“ können. Sind hierbei Signale oder Geräusche einer verschütten Person auszumachen, bleiben die Sensoren stehen, mit denen man die stärksten Signale gehört hat. Die verbleibenden Sensoren werden dann im Kreis darum aufgestellt. Dieses Vorgehen wird zur genaueren Lokalisierung der Person mit immer engeren Kreisen so oft wiederholt, bis eine ausreichend genaue Bestimmung ihrer Position möglich ist.

Unterstützende und weiterführende technische Ortungsmethoden

Ist die Lage eines Opfers hinreichend genau bekannt, können die Helfer je nach Situation durch ein Bohrloch etwa eine Wechselsprechsonde an einem Kabel zu der Person herablassen und Sprechkontakt aufnehmen – oder sich mithilfe eines Videoendoskops zur Planung der weiteren Rettung ein genaueres Bild des Hohlraums unter den Trümmern machen.

Als Fahrzeug steht der Fachgruppe Ortung ein für ihre Aufgaben und Bedürfnisse speziell umgebauter Kleintransporter mit 3 Hundeboxen und Stauraum für die technischen Ortungsgeräte zur Verfügung. Hinzu kommt ein Tandem-Anhänger mit insgesamt 6 Hundeboxen sowie Verstaumöglichkeiten für die Ausrüstung der Rettungshunde.

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