Trinkwasserübung 2012 an der Talsperre Kleine Kinzig

Bereits zum zweiten Mal fuhren die Helfer der Tübinger Fachgruppe Trinkwasserversorgung mit ihren Fahrzeugen und umfangreicher Ausstattung ins ca. 100 km entfernte Kinzigtal bei Freudenstadt, um für den Ernstfall zu üben: Fast vier Tage lang konnten die Tübinger Spezialisten die Trinkwasserförderung, -aufbereitung und -abgabe vor der imposanten Kulisse der Schwarzwälder Talsperre proben.

Übungen dienen dazu, Mensch und Material unter realitätsnahen Bedingungen auf die Probe zu stellen: In gewissenhafter Vorbereitung auf den Einsatzfall werden Einsatztaktiken einstudiert und die Belastbarkeit der Helfer ausgetestet. Der Unglücksfall wird dabei zwar nur angenommen, aber so realitätsnah wie möglich simuliert.

Für die Helfer der Tübinger Trinkwassergruppe befindet sich das Übungsszenario seit 2011 am Stausee „Kleine Kinzig“, der einzigen Trinkwassertalsperre Baden-Württembergs. Über mehrere Tage hinweg wurde hier auch in diesem Jahr ein Einsatzfall simuliert, der zum Glück in dieser Gegend noch nie eintrat: Im Rahmen ihrer Übung nahmen die Helfer als fiktives Szenario an, dass ein Ausfall der Trinkwasserförderung und -aufbereitung zu Versorgungsengpässen in der Bevölkerung geführt hatte. Das THW wurde alarmiert und musste diese kritische Infrastruktur beheben.

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Aufbau und Inbetriebnahme der modularen Trinkwasseraufbereitungsanlage erfordern eine entsprechende Logistik und sehr gute Kenntnisse im Ablauf der Aufbereitung. Die Tübinger Anlage „ELGA Berkefeld UF-15“ ist der Prototyp einer jetzt beginnenden Auslieferungsserie im THW. In Katastropheneinsätzen im In- und Ausland kann sie 15 m³ Trinkwasser pro Stunde aufbereiten. Als Rohwässer dienen dabei Brunnenwässer sowie alle Arten von Oberflächengewässern im Süßwasserbereich. Das Kernstück der Anlage bildet die sogenannte Ultrafiltration mit Keramikmembran, die eine Filtereinheit von 0,1 µm aufweist. So können neben Trüb- und Schwebstoffen auch Bakterien und andere Krankheitserreger zurückgehalten werden. Darüber hinaus verfügt die Anlage über ein UV-Modul und die Möglichkeit der Chlorung. Die Ausstattung, die in Metallboxen auf Euro-Paletten verlastet ist, beinhaltet verschiedene Becken und Blasen für die Vorbehandlung und Lagerung des Trinkwassers, technisches Equipment, umfangreiches Labormaterial sowie Camp-Ausrüstung.

Nachdem 2011 die Anlage vollumfänglich aufgebaut und getestet werden konnte, wurde der Schwerpunkt der diesjährigen Ausbildung auf den effektiven Betrieb mit reduzierter Ausstattung gelegt. Außerdem wurden die Module gründlich überprüft und gereinigt. Gerhard Biwer, Technischer Geschäftsführer der Wasserversorgung Kleine Kinzig, stellte den Helfern in einem Vortrag die chemische Vorbehandlung und Aufbereitung in der Talsperre vor, woraus sich wertvolle Ideen und Anregungen für den mobilen Einsatz der Trinkwassergruppe ergaben.

Die Unterbringung der THW-Helfer wurde vom Kaufmännischen Geschäftsführer Maik Zinser im großzügigen Informationszentrum der Talsperre organisiert. Auch für viele weitere Fragen und bei kleineren Problemen war Herr Zinser jederzeit ansprechbar und vor Ort. Die umfangreiche Verpflegung und Freizeitgestaltung organisierte die Trinkwassergruppe in gewohnter Qualität selbst.

Text und Fotos: Armin Edalat

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